Glossar
Kurze Erklärungen der wichtigsten Fachbegriffe rund um IFRS und HGB – von den Regelwerken und ihren Grundprinzipien über die Bestandteile des Abschlusses bis zu einzelnen Bewertungsfragen.
Regelwerke & Institutionen
- IFRS / IAS
- International Financial Reporting Standards bzw. die älteren International Accounting Standards – die internationalen Rechnungslegungsstandards des IASB. In der EU gelten sie erst nach dem sogenannten Endorsement.
- IASB
- International Accounting Standards Board – das unabhängige Gremium in London, das die IFRS entwickelt und verabschiedet.
- HGB
- Handelsgesetzbuch – Grundlage der deutschen handelsrechtlichen Rechnungslegung (Drittes Buch, §§ 238 ff.).
- GoB
- Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung – die (teils ungeschriebenen) Leitregeln der HGB-Rechnungslegung.
- Kapitalmarktorientierung
- Eigenschaft eines Unternehmens, dessen Wertpapiere an einem organisierten Markt gehandelt werden (§ 264d HGB); löst u. a. die IFRS-Pflicht im Konzernabschluss aus.
Grundprinzipien
- Gläubigerschutz
- Leitprinzip des HGB: vorsichtige, kapitalerhaltende Ermittlung eines ausschüttbaren Gewinns.
- Fair Presentation
- Leitprinzip der IFRS: entscheidungsnützliche, realitätsgetreue Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.
- Vorsichtsprinzip
- § 252 HGB: Risiken und Verluste früh berücksichtigen, Gewinne erst bei Realisation.
- Realisationsprinzip
- Erträge erst ausweisen, wenn sie durch Umsatz realisiert sind.
- Imparitätsprinzip
- Drohende Verluste vorwegnehmen, unrealisierte Gewinne dagegen nicht.
- Anschaffungskostenprinzip
- Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bilden im HGB die Bewertungsobergrenze; eine Aufwertung darüber hinaus ist grundsätzlich unzulässig.
- Substance over Form
- Wirtschaftliche Betrachtungsweise: Der wirtschaftliche Gehalt eines Geschäfts geht der rechtlichen Form vor – in den IFRS stärker ausgeprägt als im HGB.
- Maßgeblichkeitsprinzip
- Grundsatz, nach dem die HGB-Handelsbilanz Ausgangspunkt der Steuerbilanz ist (§ 5 Abs. 1 EStG).
- Going Concern
- Annahme der Unternehmensfortführung, auf der die Bewertung im Regelfall beruht (§ 252 HGB, IAS 1).
Bestandteile des Abschlusses
- Anhang
- Erläuternder Teil des Abschlusses mit Angaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden; in den IFRS deutlich umfangreicher als im HGB.
- Lagebericht
- Bericht über Geschäftsverlauf, Lage und Risiken; im HGB eigenständig, in den IFRS als „Management Commentary" nur empfohlen.
- Kapitalflussrechnung
- Darstellung der Zahlungsströme aus laufender, Investitions- und Finanzierungstätigkeit (IAS 7); im HGB nur für den Konzern- bzw. kapitalmarktorientierten Abschluss Pflicht.
- OCI (Sonstiges Ergebnis)
- Other Comprehensive Income: erfolgsneutrale Wertänderungen im Eigenkapital; im HGB ohne Pendant.
- Konzernabschluss
- Zusammengefasster Abschluss einer Unternehmensgruppe; bei Kapitalmarktorientierung nach IFRS Pflicht.
Bewertung & Einzelthemen
- Fair Value
- Beizulegender Zeitwert – ein marktwertorientierter Bewertungsmaßstab, in den IFRS breiter genutzt als im HGB.
- Nutzungsrecht (Right-of-Use)
- Aktivierter Anspruch des Leasingnehmers auf Nutzung eines Leasinggegenstands (IFRS 16).
- Rückstellung
- Verbindlichkeit von ungewisser Höhe oder Fälligkeit; die Ansatzschwellen unterscheiden sich zwischen § 249 HGB und IAS 37.
- Latente Steuern
- Steuerabgrenzung auf Differenzen zwischen Buch- und Steuerwerten (IAS 12 bzw. § 274 HGB).
- Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert)
- Mehrwert aus einem Unternehmenserwerb; IFRS: nur Impairment-Test, HGB: planmäßige Abschreibung.
- Impairment
- Außerplanmäßige Wertminderung; nach IFRS bei Indikatoren, im HGB-Anlagevermögen nur bei dauernder Wertminderung.
- Wesentlichkeit (Materiality)
- Grundsatz, dass nur Informationen ausgewiesen und offengelegt werden müssen, die Entscheidungen der Adressaten beeinflussen können.